Informationen zu Korrekturoperationen nach einem bariatrischen Eingriff

Wenn Sie bereits eine Operation zur Gewichtsabnahme erhalten haben, kann es sein, dass Monate oder Jahre nach der Operation gewisse Schwierigkeiten auftreten. Dies ist eher selten und sollte in der Praxis besprochen werden. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einige Informationen vorab zur Verfügung stellen, damit Sie zum ärztlichen Gespräch Ihre Probleme genauer beschreiben und diskutieren können.

Es lassen sich unabhängig davon, welcher Eingriff früher bei Ihnen vorgenommen wurde, die folgenden Problemgruppen feststellen:

  1. unzureichende Gewichtsabnahme
  2. erheblicher Wiederanstieg des Körpergewichtes trotz vorausgegangener guter Gewichtsabnahme.
  3. Beschwerden durch häufiges Erbrechen
  4. sehr häufiges Sodbrennen, Aufsteigen von Magensaft mit Hustenanfällen, vor allem im Liegen
  5. Verengungen im oberen Verdauungstrakt mit Behinderung der Passage
  6. Geschwürsbildung im kleinen Magenpouch

Mangelnde Gewichtsabnahme oder ein erheblicher Wiederanstieg des Körpergewichtes nach der Operation sind eigentlich nie durch Veränderungen am operierten Magen verursacht. Ganz überwiegend sind die Gründe vielmehr Nichtbeachtung der Ernährungsempfehlungen, keine ausreichende körperliche Betätigung (Schwimmen gehen, mit dem Hund spazieren, zwei Treppen steigen am Tag reichen nicht aus). Oft werden Verhaltensmuster, die zum Übergewicht und zur Fettleibigkeit geführt haben, trotz intensiver Beratung beibehalten oder in Frustsituationen wieder aufgenommen. Diese Zustände bedürfen einer erneuten ausgiebigen Abklärung und meist auch einer Psychotherapie, um die Fehlentwicklung aufzuarbeiten und zu beseitigen.

Sehr selten sind für o.g. Gewichtsverläufe anatomische Gründe am operierten Magen oder Dünndarm die Ursache. So kann ein defektes Magenband zum Gewichtsanstieg führen, eine Fistel zwischen dem kleinen Magenpouch und dem ausgeschalteten Magen oder ein im Laufe der Zeit ein aufgeweiteter Schlauchmagen.

Um derartige Ursachen herauszufinden, sind regelhaft eine Röntgenuntersuchung und eine Magenspiegelung im Vorfeld erforderlich.

Typische Komplikationen der einzelnen Operationsverfahren sollen im Folgenden dargestellt werden:

Magenband:

ein maximal enggestelltes Magenband führt zu häufigem, mehrmaligen Erbrechen am Tag. Hierdurch kann der unterhalb des Magenbandes befindliche Magen sich durch das Magenband nach oben stülpen und so zu einer Passagebehinderung führen. Diesen Zustand nennt man Slippage. Die vollständige Entleerung des Magenbandes beseitigt sofort die Beschwerden. Die Slippage lässt sich in der Regel jedoch nicht ohne Operation beseitigen.

Ein hochgradig enggestelltes Magenband führt außerdem zu einer Aufweitung der Speiseröhre und häufig zu einem langfristigen Verweilen von Speiseanteilen in der Speiseröhre mit entsprechenden Entzündungsreaktionen. Es kann im Liegen zum Rücklauf von Magensaft und Speiseresten in die Luftröhre kommen. Dadurch treten Hustenanfälle auf.

Das Magenband kann in seltenen Fällen auch durch die Magenwand wandern und dann im Magen liegen, wodurch es wieder zu einer Gewichtszunahme kommt (Arrosion).

All diese Zustände bedürfen einer Korrektur. Diese besteht aus Entfernung des Magenbandes. Die alleinige Entfernung des Magenbandes führt in 99% zu einem Wiederanstieges des Körpergewichtes. Es ist daher zu überlegen, die Entfernung des Magenbandes mit einem anderen Verfahren zu kombinieren (Bypass, Schlauchmagen). Diese Umwandlung muss erneut bei der Krankenkasse beantragt werden.

Aus großen Statistiken weiß man, dass das erneute Einsetzen eines Magenbandes keine guten Ergebnisse aufweist.

Schlauchmagen:

Etwa 30% der Patienten verlieren nach Schlauchmagenoperation 60% ihres Übergewichtes und erreichen einen Body-Masse-Index unter 35 sowie eine weitgehende Beseitigung ihrer Begleiterkrankungen. Circa 40% der Patienten erreichen diese Verringerung ihres Gewichtes nicht, verlieren aber so viel Gewicht, dass sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, da die meisten Begleiterkrankungen beseitigt oder ganz erheblich gebessert sind. Die restlichen 30% erleben nur eine minimale Gewichtsreduktion und sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

Die Ursache für eine nicht ausreichende Gewichtsreduktion sind:

Keine Änderung der Essgewohnheiten, unzureichende körperliche Betätigung und fortgesetzte Verhaltensfehler bezüglich der Nahrungsaufnahme.

Selten bestehen anatomische Gründe für die mangelnde Gewichtsabnahme. In einigen Fällen wurde bei der Operation zu wenig vom Magen entfernt. Meistens haben Patienten jedoch auf Dauer zu große Nahrungsmengen pro Portion zu sich genommen und damit schrittweise eine zunehmende Aufweitung des Schlauchmagens hervorgerufen (Dilatation). Der Magenschlauch ist ein Muskel, der bei ständiger Überdehnung ausleiert, dadurch wieder größer wird und auch größere Portionen erlaubt.

Eine narbige Verengung im Magenschlauch (Stenose) führt in der Regel zu häufigerem Erbrechen und Sodbrennen. Dieser Zustand kann, wenn er frühzeitig auftritt, eventuell mit einer Aufweitung behandelt werden. Dies geschieht ohne Operation mit dem Magenspiegel über den ein Ballon zur Aufweitung eingeführt wird. Eine andere Möglichkeit besteht bei einer frühzeitig aufgetretenen Verengung darin, einen selbst expandierenden Stent (ein die Verengung aufweitendes Röhrchen) einzusetzen. Auch dies geschieht mit dem Magenspiegel. Der Stent wird nach 4-6 Wochen wieder entfernt. Sollten diese Maßnahmen nicht dauerhaft eine Besserung herbeiführen, muss eine operative Korrektur vorgenommen werden. Bevorzugt erfolgt dann die Umwandlung des Schlauchmagens in einen Bypass.

Viele Patienten leiden bereits vor der Operation an Sodbrennen. Sodbrennen wird durch in die Speiseröhre zurücklaufenden Magensaft hervorgerufen. Bei vielen Patienten bessern sich diese Beschwerden, wenn das Körpergewicht absinkt. Bei einigen Patienten kommt es jedoch zu keiner Verbesserung oder gar zu einer Zunahme des Sodbrennens. Bei etwa 8% der Patienten, die vor der Schlauchmagenoperation kein Sodbrennen aufwiesen, bilden sich diese Beschwerden neu aus. Überwiegend gelingt es, das Sodbrennen mit säureblockierenden Medikamenten zu bessern oder zu beseitigen. Wenn jedoch Magensaft, speziell im Liegen, durch die Speiseröhre bis zum Kehlkopf läuft, treten Hustenanfälle auf, die sehr quälend sein können und durch Tabletten nicht zu beseitigen sind. In diesem Fall bleibt nur eine Korrekturoperation, die in der Regel auch in der Umwandlung des Schlauchmagens in einen Bypass besteht.

Bei unzureichender Gewichtsabnahme und stark erweitertem Schlauchmagen führt die erneute Verkleinerung des Schlauchmagens selten zu guten Ergebnissen. Diese Maßnahme sollte dann mit einer zusätzlichen Bypassoperation verbunden werden. Das heißt, der Schlauchmagen wird verkleinert und zusätzlich vor oder hinter dem Magenausgang wird eine teilweise Ausschaltung des Dünndarmes vorgenommen.

Magenbypass:

Für den Magenbypass bezüglich einer unzureichenden Gewichtsabnahme oder erneuten Gewichtszunahme gelten die gleichen Ausführungen wie eben für den Schlauchmagen angegeben. Der kleine Magenanteil (Magentasche, Fachausdruck: Magenpouch) kann bei zu großen Speiseportionen ebenfalls aufweiten und wieder mehr Speisen aufnehmen. Bedeutsamer ist jedoch, dass auch die Verbindung zwischen dem Magenpouch und dem nachfolgenden Dünndarm aufweitet und damit die Speise sehr viel schneller aus dem Pouch in den Dünndarm rutschen kann. Dieser Zustand ist grundsätzlich auf ein undiszipliniertes Essverhalten zurückzuführen. Eine Korrektur in dem Sinne, dass man den Pouch und die Verbindung zwischen Pouch und Dünndarm verkleinert, führt selten zu guten Ergebnissen, die Gewichtsabnahme fällt gering aus und hält nicht lange an. Zurzeit laufen Studien, die prüfen ob ein zusätzliches Einengen des Magenpouches mit einem Kunststoffring eine Verbesserung ergibt. In der Regel ist jedoch eine erneute Ernährungsberatung und auch eine Psychotherapie erforderlich, um die weiter bestehende Störung in der Nahrungsaufnahme zu behandeln.

Verengungen (Stenose) zwischen Magenpouch und dem nachfolgenden Dünndarm sind eher selten, treten meist wenige Wochen nach der Operation auf und können in der Regel immer mit einer Ballonaufweitung mit Hilfe des Magenspiegels beseitigt werden.

Bei etwa 7% mit der Patienten mit Magenbypass kommt es zu einer Geschwürsbildung am Übergang vom Magenpouch zum Dünndarm. Diese Geschwüre sind fast ausschließlich bei starken Rauchern zu beobachten oder bei Patienten, die weiterhin Schmerzmittel aus der Gruppe der Rheumamedikamente einnehmen. Die Geschwüre lassen sich mit Medikamenten meistens zur Abheilung bringen. Wichtig ist jedoch, dass der Patient das Rauchen aufgibt und die Schmerzmittel auf magenfreundliche Medikamente umstellt. In extrem seltenen Fällen (Blutung, Magenwanddurchbruch) ist eine Operation zur Korrektur angezeigt.

In letzter Zeit mehren sich Berichte, dass Patienten 1-2 Jahre nach der Bypassoperation unter sogenannten „Unterzuckerungen“ (Hypoglykämie) leiden. Hier fällt der Blutzucker auf sehr niedrige Werte ab. Es kommt dann zu Herzjagen, Schweißausbruch, Kreislaufproblemen und ganz selten sogar zur Bewußtlosigkeit. Ursache für diese Erscheinungen ist überwiegend eine übermäßige Zufuhr von Zucker mit der Nahrung. Durch Änderung der Ernährung und Fortlassen von Zucker können die Beschwerden bei dem größten Teil der Patienten beseitigt werden. Gelegentlich hilft auch die zusätzliche Einnahme eines Medikamentes. Bei extrem ausgeprägten Fällen (2 von 1000 Patienten) muss jedoch mit einer Korrekturoperation Abhilfe geschaffen werden. Es sind verschiedene operative Verfahren angegeben. Wegen der geringen Zahl betroffener Patienten besteht hier jedoch noch keine generelle Empfehlung. Grundsätzlich kann das Problem mit

einer Aufhebung des Bypasses beseitigt werden. Der Bypass kann aber auch in einen Schlauchmagen umgewandelt werden. Wichtig ist, dass der Speisebrei wieder durch den Zwölffingerdarm geleitet wird.

Vertikale Gastroplastie:

Diese Operation hatte vor Jahrzehnten eine relativ große Bedeutung. Inzwischen wird der Eingriff nicht mehr durchgeführt, da die Ergebnisse bezogen auf die Gewichtsabnahme schlecht und häufig Spätkomplikationen aufgetreten sind. Die vertikale Gastroplastie lässt sich nicht korrigieren. Es muss immer auf ein anderes Verfahren (Bypass oder Schlauchmagen) gewechselt werden.

Zusammenfassung:

Wie sie gesehen haben, gibt es einige Ursachen, die nur durch eine Operation korrigiert werden können. Unzureichende Gewichtsabnahme oder Wiederanstieg des Gewichtes können in der Regel nicht durch eine erneute Operation behandelt werden!!!

Jede Operation hat ihr spezifisches Risiko. Die Ersteingriffe zur Gewichtsreduktion zeigen trotz der meist erheblichen Begleiterkrankungen eine erfreulich geringe Komplikationsrate. Für erneute Eingriffe trifft dies nicht zu. Selbst bei reduziertem Gewicht liegen die Komplikationsraten erheblich höher. Treten beim Ersteingriff Komplikationen zwischen 5-7% auf, so beträgt die Komplikationsrate für den ersten Korrektureingriff 15-25%, für weitere Korrekturoperationen steigt das Komplikationsrisiko bis auf 50%. Die Sterblichkeit an diesen Eingriffen kann zurzeit nicht verbindlich angegeben werden, da insgesamt noch zu wenig Operationen dieser Art ausgeführt worden sind.

Grundsätzlich gilt, dass Korrektureingriffe, bezüglich der Gewichtsreduktion schlechtere Ergebnisse aufweisen als der Ersteingriff. Die Korrektur eines vorhandenen Verfahrens (also z.B. die Korrektur eines Magenbypasses) weist keine guten Ergebnisse auf, in der Regel sollte auf eine andere Methode gewechselt werden. In der eigenen Erfahrung sehen wir dann Patienten, die sehr gut von dem neuen Verfahren profitieren. Es gibt aber auch Patienten, die trotz der geänderten operativen Prozedur nur wenig erfolgreich sind.

Insofern ist vor jedem erneuten Eingriff sehr genau darüber nachzudenken, welchen Erfolg man mit welcher Methode erhoffen kann und welches Risiko man dafür eingehen will.